Interview mit Tobias Böhler, Geschäftsführer Vertrieb von Liebherr Ibérica „Liebherr verzeichnet erneut steigende Zahlen in Spanien“

09.08.17 News 2017, Noticias 2017

Das 1949 in Baden-Württemberg gegründete Unternehmen Liebherr beschäftigt heute weltweit rund 42.000 Mitarbeiter und umfasst insgesamt elf Geschäftsfelder, unter anderem Erdbewegungs-maschinen, Turmdreh-, Maritim- und Fahrzeugkrane. In Spanien betreibt die Unternehmensgruppe seit 1990 in Pamplona einen Produktionsstandort für Turmdrehkrane mit 240 Mitarbeitern. Des Weiteren verfügt Liebherr seit 1988 über eine Vertriebs- und Servicegesellschaft, die sich auf Erdbewegungs-maschinen sowie Mobil- Maritim,- und Raupenkrane spezialisiert hat.

1. Das Geschäftsjahr 2016 fiel für Liebherr im westeuropäischen Markt sehr positiv aus. Vor allem Märkte wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande wiesen gesteigerte Umsatzzahlen aus. Wie stellt sich die allg. Geschäftsentwicklung für Liebherr in Spanien dar? 

In der Tat verzeichnen wir in Spanien wieder eine ansteigende Kurve an Geschäftstätigkeit in fast allen Produktbereichen. Speziell der Absatz von Fahrzeugkranen und Erdbewegungsmaschinen verzeichnet seit rund einem Jahr wieder steigende Zahlen. In der Regel sind dies jedoch keine aus einem wachsenden Markt bedingten Absätze, sondern eher Ersatz für Maschinen, die in die Jahre gekommen sind. Jetzt, bei steigender Beanspruchung denken die Kunden wieder daran, in moderneres Equipment zu investieren und alte Maschinen zu ersetzen. Ich würde für unsere Branche die Lage so umreißen, als dass unsere Kunden ein Licht am Ende des Tunnels sehen. Wir sind guter Dinge, dass sich dieser Trend für die 2.Jahreshälfte 2017 und für 2018 fortsetzt. 

2. Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern hat Liebherr während der Krisenjahre in Spanien seine Vertriebs- und Servicestruktur ohne Einschnitte beibehalten. Welche Überlegungen hat Ihr Unternehmen zu dieser Strategie bewogen und macht sich diese nun in Zeiten des Aufschwungs bezahlt? 

Dies Frage gibt sicherlich Anlass für ein langes Gespräch. Zusammengefasst kann man unsere Vorgehensweise so definieren, als dass sie zum Einem aus unserer Unternehmenskultur begründet kommt, sprich langfristiges Engagement in einen Standort und in Mitarbeiter und zum anderen aus strategischen Überlegungen. Unsere Produkte sind technisch sehr hochwertig und anspruchsvoll, deswegen haben sie auch einen hohen Marktwert und sind weltweit als gebrauchte Maschinen gefragt. Wenn wir zum Beispiel die Fachkompetenz eines Servicetechnikers nehmen und zu den Jahren der Aus- und Weiterbildung in Relation setzen, dann ist es durchaus sinnvoller diese Mitarbeiter dazu zu motivieren für einen begrenzten Zeitraum in andere Niederlassungen zu gehen, wir sprechen hier von weltweitem Einsatz, und so dazu beitragen, dass die Serviceverfügbarkeit weltweit gegeben und ausgebaut wird. Das ist eine Symbiose, denn so können jüngere Niederlassungen auf erfahrenes Personal zurückgreifen und die weniger erfahrenen, neuen Techniker, zum Beispiel aus Mexiko, in Deutschland geschult werden. 

Ein weiterer Grund für die Entscheidung, trotz anhaltender Krise in Spanien die Struktur annähernd beizubehalten war darin begründet, dass wir in dieser Zeit Geschäftsfelder wie zum Beispiel den Export und die Instandsetzung von Gebrauchtmaschinen verstärkten. So stehen wir nicht nur Kunden bei, sondern auch den Banken und Leasinggesellschaften. In Zeiten einer sich bessernden Marktlage hat das natürlich den Vorteil, dass wir unser erfahrenes Personal wieder lokal einsetzen können und unsere Geschäftspartner diese Nähe während und nach kritischen Jahren auch schätzen. 

3. Eines der größten Probleme der letzten Jahre in Spanien war die sogenannte Kreditklemme. Viele Ersatzinvestitionen wurden von Unternehmen aufgeschoben, obwohl bereits innovativere Produkte am Markt verfügbar waren. Hat sich die Lage verbessert? Haben Ihre Kunden wieder ausreichend Zugang zu Krediten? 

Meines Erachtens herrscht für Produkte, die im weiteren Sinne in der Baubranche eingesetzt werden, nach wie vor eine gewisse Reserviertheit seitens der Absatzfinanzierer. Es ist ganz einfach so, dass trotz niedriger Zinsen im internationalen Vergleich, der Zugang zu Krediten den  Firmen aus diesem Umfeld schwer fällt. Ich verstehe hier die Banken durchaus, denn die Krisenjahre haben auch dort tiefe Spuren hinterlassen. In der Zeit, in welcher wieder eine gewisse Belebung in die Branche kommt, sollte meiner Meinung nach das Vertrauen in Hersteller und Anwender auch seitens der Banken wieder anziehen. 

4. Liebherr produziert in seinem Werk in Pamplona Turmdrehkrane und Komponenten für andere Produktbereiche. Welche Bedeutung hat dieses Werk für die Unternehmensgruppe? In welchem Ausmaß wird für den lokalen Markt und den Export produziert?

Die Fabrik in Pamplona besitzt große Bedeutung für die Sparte der Turmdrehkrane insgesamt, da neben der Produktion von Kranen aufgrund des dortigen Know Hows auch für andere Standorte innerhalb der Sparte entwickelt wird. Dies ist bedingt durch die langjährige Erfahrung im Umgang mit Märkten und Produkten gleicher Ausgangslage. Die Fabrik in Pamplona ist ein dynamisches Werk mit hoher Fähigkeit, sich wechselnden Bedingungen anzupassen, sowohl in Produktionskapazität als auch in der Administration. Bevor sich die Krise in Spanien bemerkbar machte, produzierte das Werk in Pamplona rund 40 % für den spanischen Markt, danach und bis jüngst sank dieser Anteil auf bis zu unter 4 %. Nichts desto trotz verzeichnet das Werk auch wieder steigende Nachfrage nach neuen Turmdrehkrane für den spanischen Markt und ist überzeugt, dass sich dieser Trend nachhaltig fortsetzt.  

5. Wo liegen für Sie die Vorteile einer Fertigung in Spanien und welche Herausforderungen sehen Sie für Spanien als Produktionsstandort?

Das Werk in Pamplona hat eine eigene Entwicklungsabteilung. Hieraus ergibt sich eine hohe Flexibilität und Produktkenntnis gepaart mit langjähriger Erfahrung. Die Produktion ist mit fortschrittlichen Technologien und Systemen ausgestattet. Der Standort Pamplona bietet die Vorteile der Logistik mit Seehäfen in der Nähe und einen lokalen Arbeitsmarkt mit qualifiziertem Personal aus den verschiedenen Universitäten und Berufsschulen. Nicht zuletzt ist auch die Industriedichte vor Ort wichtig, sprich die Ansiedlung von Lieferanten, meist aus der Automobilzulieferbranche oder aus der Metallverarbeitung.

6. Liebherr misst bekanntlich der Ausbildung seiner Mitarbeiter große Bedeutung zu, sowohl im Service, als auch im Vertrieb und der Produktion. Wie sieht Ihr Ausbildungsmodell ganz konkret aus? Ist die duale Berufsausbildung ein Thema für Ihr Unternehmen in Spanien? 

Das duale System in Spanien ist ein zentraler Pfeiler unserer Ausbildung. Wir arbeiten hier seit langem mit diversen Ausbildungsstätten zusammen. Für den Großraum Madrid ist das die Berufsschule „Colegio  de Formación Profesional GSD“ in Buitrago . Dort werden Auszubildende im Bereich Mechatronik geschult und ab dem ersten Lehrjahr in Praxisphasen an unseren Standorten Azuqueca de Henares und Chiloeches eingelernt. Im letzten Ausbildungsjahr sind dann mehrmonatige Aufenthalte in Fertigungsbetrieben in Deutschland Teil des Programms. Dieses System bringt uns seit Jahren hervorragende Nachwuchskräfte, die in der Regel auch übernommen werden. Im kaufmännischen Bereich bieten wir jährlich Plätze für ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre an der EWA (Europäische Wirtschaftsakademie) in Madrid an. Dieses Studium folgt dem System der Berufsakademien in Deutschland und der hiesige Bachelor Abschluss ist in Deutschland vollumfänglich anerkannt. 

7. Die AHK Spanien richtet im September das Deutsch-spanische Wirtschaftsforum aus. Dabei wird ebenfalls über das Thema Verantwortung in der Wirtschaft diskutiert. Liebherr ist ja das beste Beispiel für ein deutsches Familienunternehmen. Was macht für Sie die Essenz eines familiengeführten Unternehmens aus?

Grundsätzlich, denke ich, ist diese Essenz das langfristige Bekenntnis seitens Unternehmen in seine Mitarbeiter und in seine Geschäftsbeziehungen, seien es Kunden, Lieferanten oder Banken, um nur einige Partner zu nennen. Bei Liebherr Ibérica und bei Liebherr insgesamt verzeichnen wir sehr wenig Personalfluktuation, sprich unsere Geschäftspartner haben langfristig angelegt die gleichen Ansprechpartner und dies spiegelt sich dann auch in der Qualität der Produkte und Dienstleistungen wieder. Ein weiterer Punkt ist natürlich eine konstante Innovationsfähigkeit und die Investition in weltweite Präsenz, vornehmlich in Vertrieb- und Kundendienst, jedoch auch in Produktionsstandorte.

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