Peter Gries, Generaldirektor von Makro España: “Der spanische Markt legt großen Wert auf einen ausgezeichneten Service seitens des Lieferanten”

31.01.18 News 2018, Noticias 2018, Nachrichten 2018

Makro trat in den 1970er Jahren erstmals auf dem spanischen Markt auf und führte dabei ein bis dato unbekanntes Konzept ein: das Cash and Carry. Die Firma, seit 1998 Teil der deutschen Metro AG, hat gerade ihr 45jähriges Bestehen in Spanien gefeiert und findet sich mitten in einem tiefgreifenden kulturellen Wandel wieder, der ihren wichtigsten Kunden, den kleinen und mittelständischen Hotel- und Gastronomiebetrieb, ins Zentrum all ihrer Geschäftstätigkeit rückt.

Mit einem Umsatz von 1,24 Milliarden Euro zum Abschluss des Geschäftsjahres 2016-2017 und mehr als 3.400 Beschäftigten betreibt die Firma derzeit 37 Filialen in 15 Autonomen Gemeinschaften und bietet von diesen aus einen Produktkatalog an, der sich laut Peter Gries, Generaldirektor des spanischen Tochterunternehmens, immer mehr den Bedürfnissen der lokalen Kunden anpasst. Über die Auswirkungen des Wirtschaftsaufschwungs und die durch Omnikanal und Digitalisierung geschaffenen Herausforderungen spricht Peter Gries in diesem Interview und zieht Bilanz aus seinem ersten Jahr als Generaldirektor.

- Herr Gries, die Wirtschaft wächst in Spanien schneller als im restlichen Europa, vor allem dank des Exportbooms. Wie spiegelt sich diese positive Entwicklung im Konsum wider?

Der wirtschaftliche Aufschwung wirkt sich sehr positiv auf den Konsum aus. In den letzten Jahren hat das Wachstum des spanischen BIP, das weit über dem des restlichen Europa liegt, dazu geführt, dass die Verbraucher größeres Vertrauen haben – das ist ein fundamentaler Faktor für die Hotel- und Gastronomiebranche, die 70% unseres Geschäftsvolumens ausmacht. Die Spanier lassen sich vom Wirtschaftswachstum, der Schaffung von Arbeitsplätzen und steigenden Löhnen überzeugen, die so zu einem wichtigen Motor werden, um den Binnenkonsum wieder anzukurbeln. Dieses größere Vertrauen, gekoppelt mit einem höheren verfügbaren Einkommen, führt dazu, dass die Leute mehr ausgehen und mehr Geld für Bars, Restaurants und Hotels ausgeben.

Wir dürfen auch die Zunahme des Tourismus nicht vergessen, die – gemeinsam mit dem Export – ein entscheidender Faktor für das Wachstum des BIP und den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes war. Der größere Zufluss ausländischer Touristen in spanische Restaurants und Hotels hat logischerweise auch größere Gewinne für unsere Firma zur Folge. Wir empfinden es als Privileg, für das spanische Hotel- und Gastgewerbe zu arbeiten, einen Sektor also, der 300.000 Betriebsstätten umfasst, die 6,8% zum BIP des Landes beitragen, und der nach England den zweitwichtigsten Markt für Konsum in Europa darstellt.

-Sie haben über zehn Jahre lang verschiedene Führungspositionen innerhalb der Metro AG innegehabt und sind nun seit Ende 2016 mit der Geschäftsleitung von Makro España betraut. Welche Bilanz ziehen Sie aus diesem ersten Jahr als Generaldirektor des spanischen Tochterunternehmens, sowohl quantitativ als auch qualitativ? 

2017 war ein sehr positives Jahr für uns. Wir betrachten uns bei Makro España aus tiefstem Herzen – mit Überzeugung und Leidenschaft – als Partner der Hotel- und Gastronomiebranche, da ein Großteil unseres Geschäfts an diesen Sektor gebunden ist. Der dem Gastgewerbe entsprechende Umsatz ist 2017 um mehr als 5% gewachsen. Dieser Anstieg ist vor allem jenen makroökonomischen Faktoren zu verdanken, die ich bereits erwähnt habe: der Zunahme des Tourismus und dem Vertrauen der Verbraucher.

Im letzten Jahr haben wir im Industriegebiet Zona Franca in Barcelona eine neue Zweigstelle eröffnet, die unser innovativster, modernster und nachhaltigster Standort in Spanien ist. Barcelona ist innerhalb Spaniens der wichtigste Markt für das Hotel- und Gastgewerbe und Zona Franca war für uns daher ein sehr wichtiger Ort, wo wir die Kauferfahrung unserer Kunden weiter verbessern wollten.

-Was sind die wichtigsten Herausforderungen und Ziele, die sich Makro für das gerade begonnene Jahr 2018 gesetzt hat? 

2018 wollen wir uns vor allem darauf konzentrieren, unsere Dienstleistungen für die Hotel- und Gastronomiebranche weiterzuentwickeln, und zwar innerhalb der Rahmenbedingungen des großen kulturellen Wandels, den wir gerade erleben und der den Kunden in den Mittelpunkt all unserer Geschäftstätigkeit stellt. Zu diesem Zweck werden wir weiter gut zuhören und spezifische Lösungen erarbeiten – das erreichen wir mit einem Geschäftsmodell, das sich immer stärker an die individuellen und konkreten Bedürfnisse des lokalen Kunden anpasst. Das Angebot an Hotels und Gaststätten ist in Puerto de Santa María anders als in Valencia, deshalb muss man einen Dienstleistungskanal speziell für dieses lokale Gastgewerbe anbieten, der jeweils der Anzahl der Betriebe, ihren Eigenschaften und Produkten entspricht.

Die Kunden wollen Zugang zu Makro und zu unserem sehr lokalisierten, multi-/omnikanalen Wertversprechen haben. Wenn wir erst einmal als Partner des Gastgewerbes anerkannt sind, entscheidet der Kunde, wie er mit unserer Marke interagieren will: Ob er sich von unseren Experten beraten lassen will, um seine Ware dann zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt im Laden zu erhalten; ob er online bestellen und die Ware in seinem Betrieb in Empfang nehmen will; ob er telefonisch bestellen und die Ware persönlich abholen möchte... Es gibt ganz verschiedene Kombinationsmöglichkeiten.

Genau auf diesem Multi-/Omnikanal, der unseren Kunden ein immer breiteres Spektrum an Liefermöglichkeiten bietet, liegt – unter anderem – unser strategisches Hauptaugenmerk. Unsere Dienstleistungen im Bereich der Auslieferung an Hotels und Gaststätten stellen für den Kunden nicht nur eine Zeitersparnis dar, sondern sorgen auch dafür, dass er sich nicht um Kühltransporte kümmern muss und eine maximale Produktqualität garantiert werden kann, indem die Kühlkette erhalten bleibt. Dieser Lieferdienst hat sich zum bevorzugten Kanal der Gaststättenbetreiber entwickelt: 80% erhalten bereits die Ware, ohne ihren Betrieb verlassen zu müssen.

Ein weiteres Ziel für dieses Jahr ist es, weiter an der Digitalisierung zu arbeiten, und zwar sowohl innerhalb unserer Firma als auch innerhalb des Hotel- und Gastronomiegewerbes. In den letzten Jahren haben die digitalen Lösungen für diesen Sektor stark zugenommen, aber sie erreichen derzeit noch nicht alle Gastwirte. In unserer Rolle als Partner des Gastgewerbes agieren wir als Brücke zwischen spanischen kleinen und mittelständischen Betrieben einerseits, die oft sehr interessante digitale Lösungen entwickeln, ohne jedoch den Gastwirt tatsächlich zu erreichen (von der Reservierung bis hin zu Marketingmodellen und der Reduzierung von Fehlbeträgen), und gastronomischen Betrieben andererseits, die diese Lösungen nachfragen, aber nicht wissen, wie sie an sie herankommen können.

-Bevor Sie als Generaldirektor zu Makro España kamen, waren Sie Betriebsleiter der Kette in Italien und Portugal. Worin liegen Ihrer Erfahrung nach die speziellen Bedürfnisse des spanischen Hotel- und Gastronomiegewerbes im Vergleich zu anderen europäischen Ländern? Wodurch unterscheiden sich Ihre Kunden in Spanien von denen in Ländern wie Deutschland? 

Das Kundenprofil ist sehr unterschiedlich und deshalb sind auch die Bedürfnisse der Kunden von Makro in den verschiedenen Ländern ganz anders. Spanien ist ein Land, in dem die Leute schon immer gerne ausgegangen sind und gut gegessen haben, deshalb hat die Hotel- und Gaststättenbranche hier ein großes Gewicht. Im Gegensatz dazu wird das Essen in Deutschland traditionell mehr als Notwendigkeit denn als Vergnügen betrachtet, wobei hier bereits seit einigen Jahren eine Veränderung zu beobachten ist.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des spanischen Markts ist die Wichtigkeit, die einem ausgezeichneten Dienst seitens des Lieferanten beigemessen wird. Der spanische Kunde legt derart großen Wert auf ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Fischer, Fleischer oder Gemüsehändler, dass dieses Vertrauen oft sogar wichtiger ist als die Qualität oder der Preis des Produkts. Die letztgenannten Faktoren sind hingegen von großer Bedeutung für den deutschen Kunden, dessen Kaufverhalten oft rationaler ist.

Darüber hinaus gibt es noch einen wesentlichen Unterschied zu Märkten wie dem italienischen, wo die Kunden nicht nur von der Qualität der Zutaten besessen, sondern auch bereit sind, dafür einen höheren Preis zu bezahlen: In Spanien steht der Preisfaktor oft dem Qualitätsfaktor im Weg. Das liegt vor allem an den Tagesmenüs, die zu einem festen Preis angeboten werden, was bedeutet, dass die Kosten so niedrig wie möglich gehalten werden müssen. Auch wenn Spanien immer noch Verbesserungspotenzial hat, was die Wertschätzung der Qualität gegenüber dem Preis angeht, so trägt die internationale Anerkennung der gehobenen spanischen Gastronomie doch dazu bei, dass wir uns da in eine gute Richtung entwickeln.

Im Hinblick auf den Omnikanal und digitale Dienstleistungen ist Spanien im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn eines derjenigen Länder, die bei der Umsetzung der digitalen Transformation in ihren Geschäften die meiste Hilfe benötigen. Eine vor kurzem durchgeführte Studie der École hôtelière de Lausanne zeigt, dass spanische Gastwirte grundsätzlich bereit sind, sich dem radikalen Wandel durch die Digitalisierung zu stellen; die Bereitschaft ist in Spanien höher als zum Beispiel in Frankreich oder Italien und ähnlich wie in Deutschland. Um ihnen zu helfen, den Sprung zur Digitalisierung zu bewältigen, haben wir bei Makro ein Pilotprojekt entwickelt, durch das wir ihnen kostenlos ein Paket mit digitalen Werkzeugen zur Verfügung stellen. Diese geben dem Gastwirt nicht nur mehr Kontrolle über sein Geschäft und liefern Informationen über Fehlbeträge und Lebensmittelverschwendung, sondern er kann dadurch vor allem Zeit einsparen, das Geschäft anheben und seinen Kunden eine bessere gastronomische Erfahrung bieten. Das Thema der Digitalisierung im Gastgewerbe werden wir auch bei Madrid Fusión, dem wichtigsten Kongress der Hotel- und Gaststättenbranche in Spanien, in Angriff nehmen. Dort werden wir eine Initiative vorstellen, die spanischen Gastwirten, die noch keine Website haben, helfen wird, kostenlos eine einzurichten.

-Mit mehr als 3.400 Angestellten ist Makro ein sehr wichtiger Arbeitgeber. In Spanien spricht man viel über die Arbeitsrechtreform von 2012, die von vielen Experten als Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung betrachtet wird. Wie sieht die Erfahrung von Makro auf dem spanischen Arbeitsmarkt aus und wie nehmen Sie selbst diese Reform wahr? 

Ganz allgemein kann man sagen, dass die Arbeitsrechtreform positiv war. Im Moment der Wirtschaftskrise hat diese Gesetzesänderung mehr Flexibilität geschaffen, wie sie vor allem von den kleinen und mittelständischen Betrieben gefordert wurde. Makro konnte sich während der Krise als starke und solide Firma halten, wenn auch einige Filialen stärker vom sinkenden Konsum im Gastgewerbe betroffen waren. In diesen Fällen hat es uns die Reform ermöglicht, einige interne Arbeitsbedingungen auf die Situation abzustimmen (veränderte Arbeitszeiten, Vergütungssysteme, Einteilung der Arbeitskräfte…), so dass wir nicht auf andere Maßnahmen zurückgreifen mussten.

Als Deutscher vermisse ich auf dem spanischen Arbeitsmarkt ein stärkeres Gewicht auf der betrieblichen Berufsausbildung. Das spanische Bildungssystem stellt die Universität in den Mittelpunkt, aber es gibt eine ganze Reihe von Berufen, die für die Wirtschaft von größter Bedeutung sind und keinen Universitätsabschluss voraussetzen, sondern über eine Berufsausbildung abgedeckt werden können.

Obwohl die neue Regelung aus dem Jahr 2012 diesen Punkt bereits hervorhebt, besteht da immer noch großer Verbesserungsbedarf, da bestimmte Mittel wie etwa Berufsschulen benötigt werden. In diesem Sinne müssen die Firmen und die Behörden daran arbeiten, einen Anreiz für die betriebliche Berufsausbildung zu schaffen, die ja fundamental für das Kennenlernen und Verstehen der Unternehmenswelt ist. Da wir uns der Wichtigkeit dieses Anliegens bewusst sind, verfügen wir bei Makro über ein internes Ausbildungsprogramm und arbeiten zurzeit daran, diese Ausbildung auch extern anbieten zu können.



-Als Firma, die sich gerade im gesamten spanischen Staatsgebiet ausbreitet, haben Sie mit Behörden in verschiedenen Autonomen Gemeinschaften zu tun. Können Sie die Sorge anderer Sektoren nachempfinden, die über mangelnde Harmonisierung zwischen den verschiedenen spanischen Regionen klagen, was administrative und legale Vorgehensweisen angeht?

Im Allgemeinen nimmt die fehlende Einheitlichkeit des Markts den Firmen etwas von ihrer Effektivität und Effizienz. Auch wenn uns dieses Thema im Geschäftsalltag keine besonders großen Sorgen bereitet, so erschwert doch die mangelnde Harmonisierung, was Tarifabkommen und Handelsvorschriften angeht, den Unternehmensalltag in Punkten wie Öffnungszeiten und -genehmigungen oder Bauarbeiten. Durch das Wegfallen unnötiger Bürokratie könnten Effektivität und Effizienz gesteigert werden.

-Seit einigen Jahren gibt es im Konsum eine starke Tendenz zur Beschäftigung mit dem Thema Gesundheit. Wie passt sich Makro dieser Tendenz und den neuen Konsumanforderungen an? 

Bei Makro stehen uns verschiedene Wege zur Verfügung, diese Veränderungen zu unterstützen und zu begleiten. Zum einen fördern wir die gastgewerbliche Weiterbildung durch Initiativen wie Aula Makro, wo wir die neuen Markttendenzen aufzeigen und den Gastwirt zu inspirieren versuchen, indem wir Optionen und Rezepte anbieten, die sowohl für den Verbraucher als auch für seinen Geldbeutel gesünder sind. Außerdem führt die Metro AG als der Nachhaltigkeit verpflichtetes Unternehmen ein Bildungsprogramm an der Quelle durch und fördert durch Projekte wie „From Farm to Fork“ den nachhaltigen Anbau von Rohstoffen. Das ist besonders in einigen asiatischen Ländern von enormer Wichtigkeit, wo sonst überhaupt keine Bildung zum Thema Nachhaltigkeit bei der Produktion von Rohstoffen stattfindet.

Solche Tendenzen schlagen sich auch in unserem eigenen Angebot nieder, das wir immer wieder neu an die Forderungen der Verbraucher und damit auch der Gastwirte anpassen müssen. So haben wir vor kurzem eine neue Linie von Hausmarken eingeführt. Es begeistert uns jeden Tag aufs Neue, unseren Kunden gut zuzuhören und ihre Sorgen und Motivation zu verstehen, um konkret auf sie eingehen zu können.

-Wie auch die übrige Wirtschaft sieht sich der Handelssektor radikalen Veränderungen gegenüber, die durch die Möglichkeiten und Herausforderungen der neuen digitalen Gesellschaft vorangetrieben werden. Wie stellt sich Makro diese vor und welche Elemente und Faktoren sollte das Geschäft der Zukunft berücksichtigen? 

Für uns ist und bleibt das physische Ladengeschäft – sogar in zunehmendem Maße – ein Kanal, wo sich der Kunde mit den für sein Geschäft notwendigen Produkten versorgen kann, aber auch ein Ort, an dem er Inspiration findet und sich dank des persönlichen Kontakts mit den ausgezeichneten Spezialisten in unseren Zentren weiterbilden kann. Wir legen großen Wert auf die Kompetenzentwicklung der Angestellten in unseren Läden, dazu gehört vielfältiges Wissen über die Rohstoffe ebenso wie Kenntnisse über Tendenzen, Gesundheit und Ernährung. Für einen Gastwirt muss der Einkauf im Laden effizient und effektiv ablaufen, soll aber gleichzeitig auch inspirierend und emotional sein, deshalb suchen wir einen sehr persönlichen Kontakt zu all unseren Kunden. Die Läden passen sich den Kunden immer stärker an und werden für sie dadurch sowohl zugänglicher als auch praktischer.

Ansprechpartner

Martin Schneider

Leiter Kommunikation

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