Wirtschaftsausblick Portugal: Weiterhin solides Wachstum nach kräftigem Schub 2017

02.08.18 News 2018, Noticias 2018

Portugals Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll auch 2018 im Vergleich zum Vorjahr real um mehr als 2 Prozent zunehmen. Die Binnennachfrage bleibt der Motor, wenngleich mit etwas weniger Tempo. Erneut werden die Bruttoanlageinvestitionen am stärksten zulegen. Die Volkswirtschaft wächst ausgewogener und steht auf festeren Beinen als vor 10 Jahren bei Ausbruch der Finanzkrise. Der hohe Verschuldungsgrad aber macht verletzlich.

Portugals volkswirtschaftliche Gesamtleistung ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um real 2,7 Prozent gestiegen, so stark wie seit 17 Jahren nicht mehr. Diese Dynamik wird im Jahresverlauf etwas abschwächen. Für das Gesamtjahr erwarten die Europäische Kommission und Portugals Zentralbank einen Zuwachs des BIP um 2,3 Prozent. Dies läge etwas höher, als für den Durchschnitt der Eurozone veranschlagt. Im Jahr 2019 stehen die Zeichen auf moderates Wachstum. Die Kommission geht von 2 Prozent aus, Portugals Zentralbank ist mit 1,9 Prozent etwas vorsichtiger. Wichtig bleiben für das exportorientierte und zugleich hochverschuldete Land ein günstiges internationales Umfeld und stabile Finanzierungsbedingungen.

Der Zentralbank zufolge dürfte Portugals BIP 2018 - im fünften Erholungsjahr nach der zweiphasigen Rezession zwischen 2009 und 2013 - real an das Vorkrisenniveau anschließen und dieses bis 2020 um 5 Prozent übersteigen.

Die Erholung auf wichtigen Märkten im Verbund mit einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit Portugals begünstigt die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sowie Anlageinvestitionen weiterhin. Das wirkt sich positiv auf die Importe aus, deren Zuwachsrate bis 2020 höher bleiben dürfte als die der Exporte. Der Anteil der Ausfuhren am BIP hat entsprechend zugenommen, von 32 Prozent im Jahr 2008 auf 44 Prozent 2017. Die Leistungsbilanz Portugals verzeichnet seit 2016 ein leichtes Plus (Prognose 2018: 0,6 Prozent).

Die Haushaltsdisziplin der Regierung wirkt sich positiv auf das Investorenvertrauen aus. Finanzminister Mário Centeno, seit Januar 2018 auch Vorsitzender der Eurogruppe, konnte für 2017 ein Defizit von -0,9 Prozent des BIP vorweisen. Es war das beste Ergebnis seit Jahrzehnten. Für 2018 sind -0,7 Prozent eingeplant. Die Ratingagenturen S&P und Fitch führen seit Ende 2017 portugiesische Staatsanleihen wieder im Investment-Grade-Rating.

Von günstigeren Finanzierungsbedingungen profitieren Investitionen und Konsum. Gebremst wird die relativ kleine Volkswirtschaft vor allem durch ihre Schuldenlast. Doch sinkt laut portugiesischer Zentralbank der hohe Verschuldungsgrad der privaten Nichtfinanzunternehmen stetig (März 2018: 133,8 Prozent des BIP). Ebenso sieht es bei den privaten Haushalten aus (72,7 Prozent des BIP). Die Staatsverschuldung aus der Maastrichtperspektive soll laut Finanzministerium 2018 auf 123,1 Prozent des BIP fallen. Trotz der positiven Tendenz ist die Verschuldungsrate noch extrem hoch.

Investitionen: Deutlich höhere Dynamik als das BIP

Portugals Bruttoanlageinvestitionen haben 2017 mit einem Zuwachs um real 9,1 Prozent zum Vorjahr einen Sprung gemacht, der sich so nicht wiederholen kann. Die Anlageinvestitionen in Maschinen waren mit einem Plus von real 13,1 Prozent gegenüber 2016 sehr kräftig auf 8,4 Milliarden Euro gestiegen. Das hatte auch mit dem Abschluss einer Großinvestition bei Volkswagen Autoeuropa zu tun, einer der größten Produktionsstätten des Landes. Noch stärker legten mit 14,1 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro die Investitionen in Verkehrsmittel zu. Nachdem die öffentliche Hand für mehr Infrastrukturvorhaben sorgt, sind auch die Bauinvestitionen in Schwung gekommen, mit einem Plus von 9,2 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

Die Ausrüstungszuwächse bleiben den Prognosen der EU-Kommission zufolge auch 2018 und 2019 dynamisch, mit jeweils 7,7 und 8,5 Prozent. Es gibt einiges aufzuholen, da das Investitionsniveau generell immer noch um ein Viertel unter dem von vor 10 Jahren liegt. Mit einem Anteil von 16,2 Prozent am BIP ist es das zweitniedrigste in der Europäischen Union (EU) nach Griechenland. Mehr als zwei Drittel der Bruttoanlageinvestitionen stemmen die privaten Unternehmen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, investieren sie neben Erweiterungen vor allem in effizientere Maschinen, Digitalisierung und Innovationen. Die Regierung hat 2018 die Zuerkennung von EU-Hilfen und anderen Investitionsanreizen für Firmen auf 2 Milliarden Euro erhöht.


Informationen Ausschreibungen Portugal

Öffentliche Ausschreibungen und Verträge finden sich auf dem nationalen Portal für öffentliche Ausschreibungen: www.base.gov.pt.

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter www.gtai.de/Portugal, „Ausschreibungen“ und „Entwicklungsprojekte“.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.


Konsum: Verbraucher weiterhin gut gestimmt

Der Staatsverbrauch war 2017 gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Er dürfte der Zentralbank zufolge 2018 durch die Einstellung neuer öffentlicher Angestellter um 0,8 Prozent zunehmen. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte bleiben mit einem Zuwachs von real 2,2 Prozent gegenüber 2017 (+2,3 Prozent) dynamisch, um 2019 auf 1,9 Prozent abzuschwächen. Positiv wirkt sich die sinkende Erwerbslosenrate aus. Sie fiel im 1. Quartal 2018 auf 7,9 Prozent. Doch entsteht neue Beschäftigung in schlechter entlohnten und unsichereren Branchen, wie dem Hotel-und Gaststättengewerbe. Grenzen setzen dem Konsum auch die generell niedrigen Löhne und durch die Inflation (Prognose 2018: 1,4 Prozent) gebremsten Reallohnzuwächse. Viele Familien müssen sich weiter entschulden und können kaum sparen.

Die Konsumneigung der privaten Haushalte im Verbund mit den immer noch wachsenden Ausgaben der Touristen schlagen sich weiter positiv im Einzelhandel nieder. Preisbereinigt nahmen die Einzelhandelsumsätze laut Statistikamt INE im 1. Quartal 2018 um 5,1 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zu (Gesamtjahr 2017: +4,1 Prozent). Der Wert der vergebenen Verbraucherdarlehen steigt seit 2016 wieder (2017: +9,8 Prozent, 1. Quartal 2018: +13,6 Prozent).

Außenhandel: Moderatere Zuwächse im Warenaußenhandel

Die Warenausfuhren nahmen 2017 nominal um 10,1 Prozent auf 55,1 Milliarden Euro zu. Deutlich machte sich hierbei die Erholung der Nachfrage auf wichtigen Drittmärkten bemerkbar. Noch kräftiger stiegen die Einfuhren mit 12,6 Prozent auf 69 Milliarden Euro. Die hohe Dynamik resultierte größtenteils aus dem Außenhandel mit Brennstoffen und Erdöl, der in beide Richtungen um jeweils über ein Drittel zunahm. Vor diesem Hintergrund fallen die Zuwächse 2018 in beiden Richtungen moderater aus. Im 1. Quartal nahmen sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch einstellig zu - auf der Exportseite um 2,9, auf der Importseite um 6,6 Prozent. 

Deutschland ist für Portugal der drittwichtigste Absatzmarkt nach Spanien und Frankreich, rangiert aber als Bezugsmarkt gleich hinter Spanien an zweiter Stelle. Im Vergleich zum Vorjahr konnten deutsche Anbieter ihre Lieferungen nach Portugal nominal um 14,9 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro ausbauen (1. Quartal 2018: +6,7 Prozent). Sie hatten damit einen Anteil an den portugiesischen Einfuhren von fast 14 Prozent. Die Perspektiven bleiben auch vor dem Hintergrund wachsender Anlageinvestitionen mit hohem Importbedarf positiv.

Weitere Informationen unter www.gtai.de/Portugal 

Ansprechpartner

Martin Schneider

Leiter Kommunikation

+34 91 353 09 24
E-Mail schreiben