II Deutsch-spanisches Unternehmerforum: Neue Lösungen zur Förderung von F&E&I in Spanien

Mehr als 250 Vertreter aus Forschung und Wirtschaft in Spanien und Deutschland kamen zum II Deutsch-spanischen Unternehmerforum am 13. und 14. Juni in Madrid zusammen. Das gemeinsam von der Deutschen Handelskammer für Spanien und der Deutschen Botschaft organisierte Event, befasste sich mit der Suche nach Innovationen bezugnehmend auf Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Staat.

Am 13. Juni fand das II Deutsch-spanische Unternehmerforum im Sitz der diplomatischen Vertretung in Madrid unter dem Motto: „Von der staatlichen Förderung der Forschung, Entwicklung und Innovation zum Technologietransfer“ statt. Die Eröffnungsrede hielt der deutsche Botschafter Peter Tempel. Hierbei betonte er: „Es ist notwendig, dass die Staaten bei der Förderung von Unternehmensinnovationen und dem Transfer von Technologien aktiv mitwirken“. Die Rolle des Staates bei der Förderung der angewandten Forschung und des Technologietransfers der Industrie wurde in vier Reden erörtert.

Von deutscher Seite, vertreten durch Aránzazu del Campo, wissenschaftliche Geschäftsführerin am INM-Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken, und Wolfgang Kaysser, wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung, wurde ein Umdenken eingefordert, dass wissenschaftliche Innovationen abseits traditioneller Formeln hinaus belohnt und die Angst vor dem Scheitern ablegt.

Außerdem präsentierten Jesús Marco, Vizepräsident für Forschung des spanischen Wissenschaftsrates (Consejo Superior de Investigaciones Científicas, CSIC), und Francisco Marín, Generaldirektor des Zentrums für Industrietechnologische Entwicklung (Centro para el Desarollo Tecnológico Industrial, CDTI), dem Publikum einen Überblick über das Innovations-Ökosystem in Spanien, „dem Land mit den meisten europäischen Projekten im Rahmen des Horizon 2020-Programms“. Beide betonten die zentrale Rolle von offenen Innovationsmodellen sowie die Notwendigkeit einer stärkeren Unternehmensführung und einer verstärkten institutionellen Unterstützung.

Der zweite Teil der Veranstaltung fand am Folgetag, dem 14. Juni, ebenfalls in Madrid in der Fundación Giner de los Rios statt und wurde durch Javier González Pareja eröffnet, der im vergangenen Monat zum neuen Präsidenten der Deutschen Handelskammer ernannt wurde. González Pareja betonte, wie wichtig es sei, daran weiterzuarbeiten, damit Spanien „nicht länger zu den Ländern mit mangelnden Innovationen gehört, und sich stattdessen den führenden europäischen Staaten in diesem Bereich anschließt“.

In diesem Zusammenhang lobte der Präsident der Deutschen Handelskammer die bisherigen Fortschritte, die dank der Zusammenarbeit zwischen Spanien und Deutschland in „mehreren gemeinsamen Forschungsprojekten im Rahmen des Programms Horizon 2020 oder EUREKA“ sowie durch die „Veröffentlichung gemeinsamer Forschungspublikationen“ erzielt wurden.Werner Schaich, der Gesandte der Deutschen Botschaft, betonte ebenfalls die Notwendigkeit, die deutsch-spanische Zusammenarbeit weiter zu stärken. „Ebenso wichtig wie die staatliche Unterstützung ist die Förderung der eigenen Innovationen seitens der Unternehmen, da nur so die 3% der in Europa angestrebten Investitionen erreicht werden können“, erklärte Schaich.

Francisco Javier Garzón, Vorstandsvorsitzender von ICEX, ergriff als Letzter das Wort und hob die Rolle Deutschlands als „zweitwichtigstes Ziel spanischer Exporte und fünftgrößter Investor in Spanien“ hervor. Über die „frenetischen Handelsbeziehungen“ zwischen den beiden Ländern hinaus befürwortete Garzón, dass beide Länder weiterhin an der Verteidigung der freien Marktwirtschaft und der Werte der Europäischen Union festhalten und diese noch weiter stärken sollen.

Walther von Plettenberg, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer für Spanien, präsentierte vor dem Beginn der runden Tische die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter deutschen Unternehmen in Spanien, von denen 43% angaben, F&E&I Projekte in Spanien durchzuführen und 84% von ihnen die Bezeichnung center of excellence für ein Produkt oder ein Verfahren innerhalb ihrer Muttergesellschaft tragen.

Der erste Runde Tisch des Tages, mit dem Thema „Innovationen suchen in Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsinstitutionen und Technologiezentren“, wurde von Plettenberg eröffnet. José Luis García, Forschungsprofessor des CSIC, war Moderator der Diskussionsrunde mit den Rednern Antonio Abril, Präsident der Konferenz des Rates für soziale Angelegenheiten und der Kommission für die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen der spanischen Handelskammer und Generalsekretär des Vorstands von Inditex; José Juste, Direktor der technische Entwicklung von “BSH Electrodomésticos España“; Javier Ortega, Vizedirektor für Innovation, Transfer und Technologie der Universidad Autónoma de Madrid; und Rikardo Bueno, Direktor für Internationalisierung von Tecnalia. Alle Redner waren der Meinung, dass man das Potenzial der Menschen als Motor für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung mehr ausschöpfen müsse, um mittel- und langfristige Kooperationsstrukturen zu schaffen. Dies mit dem Ziel das innovative Ökosystem sowie den Unternehmergeist zu stärken und eine kollaborative Mentalität „jenseits der wirtschaftlichen Ergebnisse“ zu erreichen.

Open Innovation stand im Mittelpunkt des zweiten runden Tisches, mit den Rednern Manuel Ausaverri, Direktor für Strategie und Innovation bei Indra; Antonio Calvo, Verantwortlicher für Innovation bei T-Systems; Ana Polanco, Director of Corporate Affairs bei Merck España; María López, CEO von BitBrain; und Susana Quintana, Partner bei Next 47 (Siemens). Moderiert von Walther von Plettenberg kamen die Referenten zu dem Schluss, dass der Innovationsprozess eine Verkürzung der Zeit zwischen der Identifizierung durchschlagender Innovationen und deren Markeinführung erfordert. Es sollten klare und fließende Strukturen gefördert werden, die das Talent, aber auch multidisziplinäre Teams und den kritischen Geist begünstigen.

Das Thema der dritten Runde waren Wettbewerbsvorteile großer multinationaler Konzerne, die mit dem Standort Spanien einhergehen. Die Vortragende Kathrin Hocke, technische Leiterin der Fabrik für Sensoren von Bosch in Madrid; Miguel López-Quesada, Direktor für Unternehmenskommunikation und institutionelle Beziehungen bei Gestamp; Manuel Martínez, Direktor des Bayer-Werks in Alcalá de Hernares (Berlimed); und Javier Sesma, Generaldirektor von thyssenkrupp Elevator Innovation Center diskutierten unter der Leitung von Luis González Souto, Leiter der Abteilung für technologische Maßnahmen des CDTI, über Spaniens derzeitige Stellung und Konkurrenzfähigkeit hinsichtlich Innovationen im internationalen Wettbewerb.

Den Abschluss des II Deutsch-spanischen Unternehmerforums machte Josep Maria Martorell, Associate Director vom Barcelona Supercomputing Center (BSC), mit seiner Keynote „Big Data und künstliche Intelligenz: das neue Paradigma der Wettbewerbsfähigkeit“. In seiner Präsentation erklärte Martorell die gegenwärtige digitale Revolution als eine natürliche Folge von drei fundamentalen Faktoren: „die große Entwicklung bei der Geschwindigkeit der Rechnerleistung, die Existenz von intelligenten Systemen und Algorithmen, die der Mensch programmieren kann und die Fülle von Daten, die die Algorithmen sehr schnell verarbeiten können“. „Heute habe ich mit meinem Handy den leistungsfähigsten Computer, den es vor 25 Jahren gab“, sagte er bildlich gesprochen.

Zum Schluss beendete Javier González Pareja die Veranstaltung mit abschließenden Worten und bedankte sich bei allen Rednern, Assistenten, kooperierenden Partnern des Forums und den Jahressponsoren für die Unterstützung und Teilnahme am Event.

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