III. Deutsch-spanisches Unternehmerforum: Lebenslanges Lernen und Veränderungsbereitschaft als zukünftige Schlüsselkompetenzen

Zahlreiche Referenten, Führungskräfte und Experten kamen zu der dritten Ausgabe des von der AHK Spanien organisierten Forums in Bilbao zusammen. Der Fokus der Veranstaltung lag besonders auf der Rekrutierung und Bindung von Talenten, der dualen Berufsausbildung sowie der engeren Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen. Experten betrachten lebenslanges Lernen und Veränderungsbereitschaft als essentielle Kompetenzen für die heutige Arbeitswelt.

Wie kann in Zeiten des digitalen Wandels die Rekrutierung und Bindung von Talenten in einem Unternehmen gefördert und die akademische Ausbildung an die tatsächlichen Bedürfnisse auf dem Arbeitsmarkt angepasst werden? Welches sind die wichtigsten Kompetenzen, die von den Unternehmen gefragt werden und wie definieren sich heutige Mitarbeiterprofile?

Zur Beantwortung dieser und zahlreicher anderer Fragen lud die Deutsche Handelskammer für Spanien am 7. November zum III. Deutsch-spanischen Unternehmerforum. Unter dem Titel „Talent Management | Wettbewerbsfähigkeit | Unternehmen“ kamen rund 20 Referenten und mehr als 160 Führungskräfte und Experten des Personalmanagements in der Universität von Deusto in Bilbao zusammen.

Mit Blick auf das Guggenheim-Museum eröffnete Javier González Pareja, Präsident der AHK Spanien, die Veranstaltung und sprach dabei auch einige der Themen an, die im Laufe des Tages diskutiert werden sollten. Er bezeichnete das Talentmanagement als „einen zentralen Aspekt, auf den sich die Unternehmen strategisch fokussieren müssten, um langfristig überleben zu können“.

Wolfgang Dold, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Spanien, betonte im Anschluss die Bedeutung von Fachkräften für Unternehmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In diesem Zusammenhang hob er auch die Leistungsfähigkeit des dualen Ausbildungssystems in Deutschland hervor, welches in Spanien durch die AHK Spanien, die FEDA Madrid und die FEDA Barcelona vertreten wird und verwies dabei auf die Beschäftigungsfähigkeit der Ausbildungsabsolventen.

Vor Beginn der einzelnen Podiumsdiskussionen präsentierte Walther von Plettenberg, Geschäftsführer der AHK Spanien, zunächst die Ergebnisse der Umfrage El talento como clave de la competitividad: el debate actual visto desde las empresas, an der mehr als 120 Unternehmen teilgenommen hatten. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die wachsende Bedeutung, die die Unternehmen der dualen Berufsausbildung als Instrument zur Anpassung an die sich stetig verändernden Unternehmensanforderungen beimessen. So sind 96% der Befragten der Ansicht, dass es notwendig sei, durch stärkere Präsenz in der öffentlichen Debatte das Image der Berufsausbildung zu verbessern, um langfristig die Zahl der Ausbildungsabsolventen zu erhöhen und 95% fordern eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und Universitäten. Weiterhin sagen 69% der Befragten, dass die Beratung junger Menschen bei der Berufswahl sowohl technischer als auch akademischer Art stärker in den Vordergrund gestellt werden sollte.

Anschließend ging es in die erste Podiumsdiskussion mit dem Thema Das Ringen um gute Fachkräfte, die von Silvana Buljan, Geschäftsführerin von Buljan & Partners, moderiert wurde. An der Diskussion nahmen weiterhin Fabricia Abreu, Leiterin Führungskräfte- und Talentmanagement, María Luisa Blázquez, Research Associate des International Center for Competitiveness (ICC) der IESE Business School; Juan Corona, Geschäftsführer des Instituts für Familienunternehmen, Javier González Pareja, Präsident der Bosch-Gruppe für Spanien und Portugal und Javier Omarzabal, Präsident des Kreises der baskischen Unternehmer, teil.

Nach Meinung der Referenten sei es für Unternehmen heute besonders wichtig, dass Mitarbeiter über digitale Kompetenzen verfügten, kommunikations-, team- und anpassungsfähig seien sowie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen mitbringen. Auch das generationenübergreifende Zusammenarbeiten und das Employer Branding spielten für sie eine wichtige Rolle, denn neben der Rekrutierung neuer Talente ist die Bindung und kontinuierliche Weiterbildung bereits vorhandener Talente eine wichtige Herausforderung für Unternehmen. Sie befürworteten die Förderung  flexibler Arbeitszeiten, die Festlegung von Zielvorgaben zur Motivationssteigerung sowie die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls von Mitarbeitern zum Unternehmen.

Die zweite Runde der Podiumsdiskussion befasste sich mit dem Thema Neue Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung und wurde von Tanja Nause, Leiterin Aus- und Weiterbildung der AHK Spanien, moderiert. Zusammen mit Jorge Arévalo, stellvertretender Minister für Berufsbildung der baskischen Regionalregierung, Clara Bassols, Direktorin der Fundación Bertelsmann, Martha Corchado, Koordinatorin für duale Berufsausbildung an der Deutz Business School, Francisco Pérez Botello, Präsident von Volkswagen España Distribución, und Julen Elgeta, Präsident der Berufsbildungsvereinigung HETEL, diskutierte sie über die Notwendigkeit, die Berufsausbildung an die tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen.

In diesem Zusammenhang gingen sie vor allem auf die duale Berufsausbildung ein, der sie eine zentrale Rolle zur Stärkung übergreifender Kompetenzen und zur Anpassung an sich verändernde Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und in den Unternehmen zusprachen. Es sei vor allem wichtig, Ausbildungen wie dem im Baskenland entwickelten 2+3-Programm, welches eine zweijährige duale Berufsausbildung mit einem dreijährigen Universitätsstudium kombiniert, mehr Ansehen zu verleihen.

In der dritten Podiumsrunde diskutierte José Luis Larrea Jiménez de Vicuña, Vorsitzender des Beirats des Deusto Social Lab der Universität Deusto zusammen mit Ixaka Egurbide, Geschäftsführer des Instituts für Werkzeugmaschinen, Iñigo Larrea, Leiter für Talentmanagement von Mondragón Automoción; Emilio Titos, Geschäftsführer des spanischen Werks von Mercedes-Benz in Vitoria-Gasteiz, Nikolaus von Hester, General Manager of Human Resources von Siemens Spanien und Víctor Urcelay, Vizepräsident für Entrepreneurship und Weiterbildung der Universität Deusto zum Thema Universitäre Ausbildung 4.0.

In der Diskussionsrunde legten die Referenten den Fokus vor allem auf die akademische Ausbildung, welche mehr an die Bedürfnisse von Unternehmen und Gesellschaft angepasst werden müsse. Ihrer Ansicht nach müsse die Ausbildung in den Universitäten und Hochschulen verstärkt auf die Unternehmen und zukünftige Arbeitnehmer ausgerichtet werden. Besonders Arbeitnehmern müsse es ermöglicht werden, sich in Zeiten des demographischen Wandels mit ihrer Arbeitskraft bestmöglich einbringen zu können.

Als Keynote-Rednerin war in diesem Jahr Marta de las Casas Fuentes, Global Talent and Development Director von Telefónica, zu Gast. Unter dem Titel Shaping Human Potential machte sie deutlich, dass die Haltbarkeit von Wissen auf 2,5 bis 4 Jahre begrenzt und lebenslanges Lernen folglich unabdingbar sei. Um Mitarbeiter beispielsweise bestmöglich in einem Projekt einsetzen zu können, sei es notwendig, vorab mittels entsprechender Technologien ihre Fähigkeiten zu ermitteln. Weiterhin plädierte sie an die Unternehmen, die eigenen Mitarbeiter zu lebenslangem Lernen zu motivieren und ihnen alle Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Rede von Arantxa Tapia, Ministerin für Wirtschaftsentwicklung und Infrastruktur der baskischen Regionalregierung. In ihrer Rede hob sie die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer an neue Arbeitsmarktstrukturen hervor und forderte gleichzeitig eine stärkere weibliche Präsenz in der Industrie: „Es ist wichtig, Frauen für diese Industrie zu gewinnen, da sie 50% der Bevölkerung ausmachen und dazu beitragen, dass die Branche sich langfristig weiterentwickeln kann.“

Dem III. Deutsch-spanischen Unternehmerforum ging, ebenfalls in Bilbao, die Vergabe des Exzellenzpreises 2019 voraus, den in diesem Jahr Deutz Spain für die Gründung seiner Deutz Business School erhielt. Das Unternehmen fördert mit diesem Projekt die Weiterbildung und Qualifizierung von Fachpersonal in der autonomen Gesellschaft Extremadura. Im Vorfeld wurden aus fast 40 Bewerbern ebenfalls die Unternehmen Brose, Gestamp, Lidl und Witzenmann mit ihren Ausbildungsprojekten zu Finalisten ernannt. Bei der Preisvergabe wurden auch sie mit einer besonderen Erwähnung und einer Trophäe geehrt.

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