Im Gespräch erläutert Verónica Sáez Thaler, Leiterin des Talent Selection Service der AHK Spanien, die Gründe für die Reaktivierung dieses Bereichs, die aktuelle Situation des Arbeitsmarktes zwischen Deutschland und Spanien sowie die Profile, die Unternehmen derzeit suchen.
1. Die AHK Spanien hat beschlossen, ihren Talent Selection Service zu reaktivieren. Welche Faktoren haben zu diesem Schritt zu diesem Zeitpunkt geführt?
Die Entscheidung, den Talent Selection Service zu reaktivieren, hängt vor allem damit zusammen, wie sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat. Es wird immer deutlicher, dass die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte zu einer der größten Herausforderungen für Unternehmen geworden ist, insbesondere im internationalen Umfeld der AHK Spanien.
Viele Unternehmen – sowohl deutsche als auch spanische – wachsen derzeit, befinden sich in digitalen Transformationsprozessen oder expandieren in neue Märkte. Damit gehen sehr spezifische Anforderungen an berufliche Profile einher. Gleichzeitig werden qualifizierte Mitarbeiter in bestimmten Branchen immer knapper, und Rekrutierungsprozesse erfordern einen zunehmend strategischen, agilen und spezialisierten Ansatz.
Vor diesem Hintergrund hat die AHK Spanien eine klare Chance gesehen, diesen Bereich wieder zu stärken und ihre Mitgliedsunternehmen noch direkter zu unterstützen. Wir kennen ihre Unternehmenskulturen, ihre Bedürfnisse und das deutsch-spanische Geschäftsumfeld sehr gut, was es uns ermöglicht, als vertrauenswürdiger Partner bei der Identifizierung und Gewinnung von Talenten zu agieren.
Letztlich ist die Reaktivierung dieses Services eine Möglichkeit, auf eine reale Marktanforderung zu reagieren und weiterhin einen Mehrwert für unsere Business-Community zu schaffen, indem wir Unternehmen mit den passenden Fachkräften verbinden, um ihr Wachstum zu fördern.
2. Wie kann die AHK Spanien Unternehmen in ihren Auswahl- und Rekrutierungsprozessen unterstützen?
Die AHK Spanien kann in Auswahlprozessen aus einer sehr konkreten Perspektive einen Mehrwert bieten: Wir kennen sowohl den deutschen als auch den spanischen Unternehmensmarkt sehr gut und verstehen die kulturellen und beruflichen Besonderheiten beider Umfelder.
Für viele Unternehmen – insbesondere für solche deutschen Ursprungs, die in Spanien tätig sind, oder für spanische Unternehmen, die eng mit Deutschland zusammenarbeiten – ist es bei der Suche nach dem passenden Profil nicht nur eine Frage der fachlichen Kompetenzen. Ebenso entscheidend ist es, Fachkräfte zu identifizieren, die zur Unternehmenskultur passen, mit einer sehr bestimmten Arbeitsweise sowie – in vielen Fällen – mit einem internationalen oder zweisprachigen Umfeld.
In diesem Sinne kann die AHK Spanien als vertrauenswürdiger Partner agieren. Einerseits unterstützen wir Unternehmen dabei, genau zu definieren, welches Profil sie tatsächlich benötigen – etwas, das in einem Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte zunehmend knapp werden, von zentraler Bedeutung ist. Andererseits verfügen wir über ein Netzwerk, das eng mit dem deutsch-spanischen Unternehmensökosystem verbunden ist und uns ermöglicht, Profile zu erreichen, die möglicherweise nicht immer über die traditionellen Kanäle zu finden sind.
Darüber hinaus verstehen wir die Dynamiken des Arbeitsmarktes in beiden Ländern: welche Profile schwerer zu finden sind, welche Erwartungen Kandidaten haben oder wie ein Stellenangebot positioniert werden muss, damit es attraktiv wirkt. All dies ermöglicht es uns, Unternehmen in ihren Auswahlprozessen strategischer zu begleiten und dazu beizutragen, dass sie nicht nur Kandidaten finden, sondern genau die Mitarbeiter, die sie für ihr Wachstum benötigen.
3. Aus Ihrer Erfahrung: Wie würden Sie die aktuelle Situation des Arbeitsmarktes zwischen Deutschland und Spanien beschreiben?
Aus meiner Erfahrung wird die Verbindung zwischen den Arbeitsmärkten Deutschlands und Spaniens immer enger, zugleich zeigen sich jedoch auch sehr unterschiedliche Herausforderungen in beiden Ländern.
In Deutschland bleibt der große Engpass weiterhin der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Faktoren wie die Alterung der Bevölkerung, eine stark industrialisierte Wirtschaft und eine anhaltend hohe Nachfrage nach technischen und spezialisierten Profilen führen dazu, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Deshalb richten immer mehr deutsche Unternehmen ihren Blick auf internationales Talent als Teil der Lösung.
Spanien hingegen verfügt über eine sehr gut ausgebildete und anpassungsfähige Fachkräftebasis, befindet sich jedoch ebenfalls in einem Transformationsprozess seines Arbeitsmarktes. Unternehmen suchen zunehmend spezialisierte Profile – insbesondere in technischen, digitalen oder industriellen Bereichen – sowie Fachkräfte mit Fremdsprachenkenntnissen und internationaler Erfahrung.
In diesem Kontext ist die Verbindung zwischen beiden Märkten besonders interessant. Viele deutsche Unternehmen schätzen das Talent, das in Spanien ausgebildet wird oder dort arbeitet, sehr, und gleichzeitig interessieren sich immer mehr Fachkräfte dafür, ihre Karriere in internationalen Umfeldern oder in Unternehmen mit deutscher Unternehmenskultur zu entwickeln.
Letztlich sprechen wir heute weniger von zwei getrennten Arbeitsmärkten als vielmehr von einem zunehmend vernetzten Arbeitsökosystem, in dem Talentmobilität, interkulturelles Verständnis und internationale Kompetenzen eine zentrale Rolle spielen. Genau hier können Organisationen wie die AHK Spanien dazu beitragen, Brücken zwischen Unternehmen und Fachkräften in beiden Ländern zu schlagen.
4. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei der Identifizierung und Bewertung von Kandidaten?
Unser Ansatz basiert stets auf einer sehr klaren Grundidee: Ein guter Auswahlprozess besteht nicht nur darin, jemanden zu finden, der die Anforderungen der Stelle erfüllt, sondern vielmehr darin, die Person zu identifizieren, die wirklich zum Projekt, zum Team und zur Unternehmenskultur passt.
Auf dieser Grundlage definieren wir nicht nur die erforderlichen fachlichen Kompetenzen, sondern auch die Fähigkeiten, die Motivation und das Profil, das langfristig einen Mehrwert für das Unternehmen schaffen kann.
Bei der Bewertung der Kandidaten kombinieren wir verschiedene Aspekte. Natürlich analysieren wir Erfahrung, berufliche Kompetenzen und technisches Fachwissen, legen aber auch großen Wert auf sogenannte Soft Skills: Anpassungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, internationale Denkweise sowie kulturelle Passung – Aspekte, die im deutsch-spanischen Unternehmensumfeld häufig besonders relevant sind.
Darüber hinaus bemühen wir uns stets um einen nahbaren und transparenten Auswahlprozess gegenüber den Kandidaten. Wir sind überzeugt, dass eine positive Erfahrung während des Auswahlprozesses ebenfalls Teil der Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens ist.
Letztlich geht es uns darum, über die reine Besetzung einer Stelle hinauszugehen und dazu beizutragen, Einstellungen zu ermöglichen, die sowohl für das Unternehmen als auch für den Kandidaten mittel- und langfristig erfolgreich sind.