Logo der Deutsche Handelskammer für Spanien

Schneller und besser durch industrialisiertes Bauen?

  • News

Obwohl der Sektor "Industrialisiertes Prefab-Bauen" bisher nur einen kleinen Prozentsatz am gesamten Bauvolumen Spaniens ausmacht, scheint der Trend zum Offsite-Bau unaufhaltbar zu sein. Die Offsite-Bauweise beschleunigt den Bauprozess und reduziert gleichzeitig Abfall und Lärmbelästigung. Aber was steckt genau dahinter und welche Herausforderung kommen auf den Bausektor und die Bauherren zu?

Gebäude | Edificio


Die spanische Bevölkerung ist seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich 17 % gewachsen, in der autonomen Gemeinschaft Madrid sogar um 30 Prozent, und zwar von 5,2 auf 6,8 Millionen Einwohner. Die Zahl wäre noch viel höher, wenn man das Umland miteinbeziehen würde, einschließlich Toledo und Guadalajara und deren Provinzen. Allein seit 2021 hat Spanien laut einer Studie von CaixaBank Research rund eine Million Einwohner hinzugewonnen, was dem gesamten Bevölkerungswachstum der vorgehenden 11 Jahre entspricht. Ein Boom, der eindeutig auf den Zuzug von ausländischen Bürgern zurückzuführen ist (das natürliche Bevölkerungswachstum erreichte nur knapp 100.000 Personen) und eng mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zusammenhängt. Dieser Bevölkerungszuwachs hat sich jedoch nicht gleichmäßig auf ganz Spanien verteilt. Madrid und Barcelona, Valencia, Alicante, Málaga und die Balearen haben den größten Zuwachs zu verzeichnen.

80% der Bevölkerung lebt in Städten
In Spanien leben laut Angaben des nationalen Statistikinstituts INE 79,7 % der Bevölkerung in den städtischen Ballungsräumen, das sind rund 35,65 Millionen Menschen. 26 % der spanischen Bevölkerung leben in den 24 Großstädten des Landes, die ein größeres Angebot an Arbeitsplätzen, aber auch teuren Wohnraum bieten. Laut Eurostat ist Spanien das Land in der Europäischen Union, in dem mit 65,7% die meisten Menschen in Wohnungen leben, gegenüber 34,1 %, die in Häusern wohnen (Zahlen aus 2021). Das Wohnen in Wohnungen ist vor allem ein städtisches Phänomen. In den Städten leben sogar 83,8 % der Bevölkerung in Wohnungen, während in ländlichen Gebieten das Verhältnis umgekehrt ist und 77,3 % der Menschen in Häusern leben.

Wohnraummangel

Es gibt weder genug Wohnraum für Zuwanderer noch für junge Menschen, die aus der elterlichen Wohnung ausziehen wollen. Aus der Studie geht hervor, dass in den letzten zwei Jahren nur die Hälfte des für das Wachstum der Gesamtbevölkerung erforderlichen Wohnraums geschaffen wurde.

Wohnraumnot lässt Preise steigen

Die Schlussfolgerung ist, dass das Bevölkerungswachstum "eine grundlegende Rolle" beim Anstieg der Immobilienpreise der letzten Jahre gespielt hat. In den Städten mit dem meisten Zuwachs sind die Immobilienpreise im Jahresdurchschnitt um 6,4 % gestiegen.

Mögliche Lösungen

Wir brauchen also kurzfristig bezahlbare Wohnungen f. Junge, Zuwanderer, Ältere, am besten auch noch energieeffizient, klimaresilient und nachhaltig, der Gebäudesektor ist schließlich für 40 % der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich. Eine von Vía Célere, der Autonomen Universität Madrid und der Stiftung UAM geförderte Studie aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Schluss, dass der Großteil der Emissionen im Baugewerbe auf die Gewinnung und Herstellung von Stahl und Zement zurückzuführen sind. Die Forderung der EU nach Klimaneutralität hat große Auswirkungen auf den Wohnungsbausektor, der vor einem jahrelangen Transformationsprozess steht. Experten weisen auf die Bedeutung des industriellen, seriellen Bauens zur Reduzierung der Treibhausemissionen hin. Dies gilt für den Bauprozess selbst, aber auch für den gesamten Lebenszyklus der Gebäude.

Beim industrialisierten Bauen werden rund 80% der Bauarbeiten in der Fabrik durchgeführt, nur noch 20% auf der Baustelle selbst. Die Hauptvorteile des industrialisierten Bauens liegen in:

  • Effizienz und Schnelligkeit des Baus
  • Materialeinsparung
  • Abfallreduzierung auf der Baustelle, geringere Umweltbelastung
    bessere Qualitätskontrolle, energieeffiziente Qualitätslösungen sind garantiert, Baufehler werden vermieden
  • Einsatz von Recyclingmaterialien
  • Mangel an qualifizierten Fachkräftemangel wird gelindert
     

Bisher deckt das industrialisierte Bauen in Spanien nur 1-2% ab. Nach Angaben der wichtigsten Hersteller lag die Zahl der in Spanien ausgelieferten Wohnungen im Jahr 2022 bei rund 1.100 Einheiten und im Jahr 2023 bei knapp 1.600. Was die Zukunft betrifft, so sind die Prognosen sehr vielversprechend, mit exponentiellem Wachstum in den kommenden Jahren und einem Anteil von 25% an der Bautätigkeit bis 2030. Dabei konzentriert sich die Industrie nicht nur auf den Bau von Einfamilienhäusern, sondern auch auf Mietwohnungsbau, Hotels, Studentenwohnheime, Büros und Pflegeheime.

Allerdings muss die Branche bis dahin noch einiges an Herausforderungen meistern. Laut dem Baucluster ist eines der Haupthindernisse für den Aufschwung des Sektors das mangelnde Verständnis zwischen den Industrieunternehmen, die die Bausysteme herstellen, und den Bauträgern. Die Rollen der einzelnen Akteure müssen neu verteilt werden. Ein weiteres Muss ist die Kostensenkung. "Die industrialisierte Bauweise bietet zwar eine Antwort auf viele aktuelle Probleme des Sektors, wie z. B. den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die Zeitersparnis oder die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, aber wenn wir keine interessante Senkung des Endpreises für den Endnutzer erreichen, werden wir diese Art des Bauens nicht verallgemeinern können. Alle Sektoren, die sich industrialisieren, senken ihre Kosten. Das ist der Weg in die Zukunft", erklärte Miguel Pinto, Leiter des Bauclusters. Industrialisiertes Bauen scheint sich v.a. für Neubauten und neue Wohnungsviertel anzubieten, wieweit sich das Konzept auch bei der Sanierung und Renovierung von Gebäuden anwenden lässt, wird die Industrie zeigen müssen.

Quellen: Alimarket, CaixaBank Research, . Clúster de la Edificación, INE, u.a.

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen
  • DEICHMANN | Mateus de Souza
    Neuigkeiten

    DEICHMANN schlägt mit der Ernennung von Mateus de Souza zum Managing Director ein neues Kapitel in Spanien und Portugal auf

    04/05/2026 | Mateus de Souza ist seit 2011 im Unternehmen tätig und leitet seit 2018 als regionaler Vertriebsleiter erfolgreich verschiedene Regionen in Spanien und Portugal.

  • 2026-02 Osmar Polo
    Neuigkeiten

    „Spanien kann eine bedeutende Rolle in der europäischen digitalen Agenda spielen“

    19/06/2026 | INTERVIEW MIT OSMAR POLO, CEO VON T-SYSTEMS IBERIA | Die digitale Souveränität ist zu einer der großen strategischen Koordinaten im heutigen Europa geworden. Mit seinem T-Cloud-Ökosystem und insbesondere mit T Cloud Public — der hyperskalierbaren europäischen Cloud der Deutschen Telekom — sowie der Industrial AI Cloud mit 10.000 GPUs in Deutschland hat sich T-Systems an die Spitze der europäischen Alternativen zu den großen US-amerikanischen und chinesischen Hyperscalern gesetzt. In diesem Kontext beschäftigt T-Systems Iberia heute rund 3.800 Fachkräfte in Spanien und hat seinen Hauptsitz im digitalen Technologieviertel 22@ in Barcelona. Von dort aus und über seine Kompetenzzentren in Granada und Reus bietet das Unternehmen digitale Lösungen für den privaten und öffentlichen Sektor auf nationaler wie internationaler Ebene. Das Kompetenzzentrum Granada – seit 2016 in Betrieb, mit über 700 Fachkräften – entwickelt in enger Zusammenarbeit mit der Universität Granada Projekte in den Bereichen KI, Big Data, Cloud, Datenräume und elektronische Verwaltung. Die Aktivitäten dieser Hubs stärken Spaniens Rolle innerhalb der europäischen Technologiestrategie der Gruppe, auch durch die Beteiligung an Initiativen wie GAIA-X, Catena-X oder Cofinity-X, die auf den Aufbau souveräner digitaler Infrastrukturen, industrieller Datenräume und sicherer Modelle für den Datenaustausch zwischen Unternehmen ausgerichtet sind. Seit 2017 steht Osmar Polo als CEO für Spanien und Portugal der Deutschen Telekom-Gruppe an der Spitze von T-Systems Iberia, mit fast zwei Jahrzehnten Berufserfahrung im Unternehmen und einer Laufbahn, die auch Brasilien und Deutschland umfasst. Bis Anfang Juni dieses Jahres war er zudem Präsident der Deutschen Handelskammer für Spanien und vertrat in dieser Funktion die strategische Rolle Spaniens und die bilateralen Beziehungen im neuen digitalen und industriellen Europa.

  • 2026-01 Birgit Zondler
    Neuigkeiten

    „Spanien nimmt innerhalb der GEZE-Gruppe eine strategische Schlüsselrolle ein“

    18/02/2026 | INTERVIEW MIT BIRGIT ZONDLER, MANAGING DIRECTOR VON GEZE IBERIA | Das in Leonberg bei Stuttgart ansässige Familienunternehmen GEZE entwickelt seit mehr als 160 Jahren Lösungen rund um Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik. Verankert in Baden-Württemberg, einer der zentralen Industrieregionen Deutschlands, ist GEZE heute international tätig. Das Unternehmen entwickelt und produziert Produkte sowie Systemlösungen für moderne, vernetzte Gebäude und begleitet Projekte über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg – von der Planung über die Umsetzung bis hin zu Service- und Wartungsleistungen. Vor dem Hintergrund der aktuellen europäischen Debatte über Reindustrialisierung, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz steht GEZE exemplarisch für einen langfristig orientierten industriellen Mittelstand. Spanien ist seit vielen Jahren Teil der internationalen Präsenz von GEZE. Mit der Gründung von GEZE Iberia im Jahr 2001 wurde die Marktpräsenz auf der iberischen Halbinsel gezielt ausgebaut, um Kundennähe, technische Beratung und Serviceleistungen vor Ort zu stärken. Seit der Gründung leitet Birgit Zondler als Managing Director die Geschäfte von GEZE Iberia und hat die Entwicklung des Unternehmens in Spanien maßgeblich begleitet.

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub