Video der Veranstaltung (*in spanischer Sprache)
Der Sitz der AHK Spanien in Madrid war am 23. März Veranstaltungsort der ersten Ausgabe des Jahres des Formats AHK Talk unter dem Titel „Deutschland und Spanien: Talente für ein wettbewerbsfähigeres und resilienteres Business-Ökosystem“, im Einklang mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt der Institution.
Diese neue Ausgabe der AHK Talk-Reihe wurde von Tanja Nause eröffnet und stellte die Personalentwicklung als zentrale strategische Frage zur Bewältigung der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen in den Mittelpunkt. Dabei wurde die Bedeutung hervorgehoben, die Unterschiede zwischen den Arbeitsmärkten zu verstehen, nachfragestarke Sektoren zu identifizieren und die gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Martin J. Beck gab einen Überblick über die Situation in beiden Volkswirtschaften: Während Spanien ein anhaltendes Wirtschaftswachstum verzeichnet, befindet sich Deutschland seit 2022 in einer Phase der Stagnation aufgrund struktureller Faktoren.
Als zentrale Herausforderung nannte er den demografischen Wandel und das Ausscheiden der Babyboomer-Generation, was zu einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften führt. Hinzu kommen der industrielle Wandel sowie hohe Energiekosten, die die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien beeinträchtigen.
Der spanische Arbeitsmarkt weist hingegen andere Herausforderungen auf: Trotz verbesserter Produktivität bleibt diese eine Schwäche, während eine hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie eine Diskrepanz zwischen Ausbildung und Unternehmensanforderungen bestehen.
Vor diesem Hintergrund wurde die Notwendigkeit betont, die Gewinnung internationaler Fachkräfte, generationenübergreifende Organisationsmodelle und den Wissenstransfer in Unternehmen zu stärken. Gleichzeitig wurde Spanien als attraktiver Talent-Hub und strategischer Partner für deutsche Unternehmen hervorgehoben.
Anna Pérez Bassons fokussierte sich auf die Herausforderungen bei der Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Talenten. Besonders gefragt und schwer zu finden sind Nachwuchskräfte mit hohem Potenzial, technische Fachkräfte mit Führungskompetenzen sowie erfahrene Fachkräfte mit strategischem Weitblick.
Zudem wurde auf ein „Matching“-Problem zwischen Angebot und Nachfrage sowie die Notwendigkeit hingewiesen, die Verbindung zwischen Bildungssystem und Wirtschaft zu stärken. Die duale Berufsausbildung wurde dabei als Referenzmodell hervorgehoben.
Im Kontext des strukturellen Fachkräftemangels wurde unterstrichen, dass Unternehmen aktiv an ihrer Arbeitgeberattraktivität arbeiten müssen. Dazu gehören Aspekte wie Sinn und Unternehmenskultur, attraktive Entwicklungsperspektiven, marktgerechte Vergütung sowie Flexibilität, Karriereentwicklung und Führung.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass beide Länder gemeinsame Herausforderungen wie Fachkräftemangel, demografischen Druck und den Bedarf an kontinuierlicher Weiterqualifizierung teilen, gleichzeitig aber auch erhebliche Kooperationspotenziale bestehen.
Abschließend wurde die Chance betont, ein stärker integriertes deutsch-spanisches Ökosystem zu entwickeln, basierend auf Talentmobilität, gegenseitigem Lernen und gemeinsamen Strategien zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.