Die Veranstaltung wurde vom Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer für Spanien, Mischa Groh, sowie von der deutschen Botschafterin in Spanien, Maria Margarete Gosse, eröffnet. Beide betonten die Bedeutung solcher Foren als zentrale Plattformen, die Vertreter aus Verwaltung, Industrie und Technologiesektor zusammenbringen und so die gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit stärken. In diesem Zusammenhang unterstrich Mischa Groh die Rolle der Deutschen Handelskammer für Spanien als zentrale Schnittstelle zwischen deutschen und spanischen Unternehmen.
Maria Margarete Gosse hob hervor, dass die digitale Transformation nicht nur ein technischer Prozess ist, sondern ein Katalysator für Effizienz, Transparenz und Resilienz. In ihrem Beitrag betonte sie, dass künstliche Intelligenz bereits die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorantreibt, und verwies auf Beispiele wie Siemens, Volkswagen und Indra. Zudem unterstrich sie, dass die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien entscheidend ist, um die Digitalisierung sowohl in der Industrie als auch im öffentlichen Sektor weiter voranzubringen und ein starkes digitales Ökosystem in Europa aufzubauen.
Das Programm begann mit den Vorträgen von Alberto Gago, Direktor der Spanischen Agentur für die Aufsicht über Künstliche Intelligenz, und Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, die sich mit der Rolle der künstlichen Intelligenz bei der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung und der Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit befassten.
In seinem Beitrag betonte Alberto Gago, dass die digitale Transformation letztlich darauf abzielen müsse, das Leben der Menschen zu verbessern, und plädierte für ein Modell auf Grundlage europäischer Werte. In diesem Zusammenhang bezeichnete er Regulierung als Wettbewerbsvorteil, der Rechtssicherheit schafft und das notwendige Vertrauen für verantwortungsvolle Innovationen seitens der Unternehmen fördert. Zudem hob er die Rolle öffentlicher Institutionen bei der Aufsicht und Begleitung des Privatsektors hervor und verwies auf zentrale Initiativen der Behörde wie regulatorische Sandboxes sowie die Entwicklung souveräner Sprachmodelle wie Alia – zentrale Instrumente zur Erreichung digitaler Souveränität, die es Europa ermöglichen, seine Technologien nach eigenen Regeln und mit eigenen Kapazitäten zu steuern.
Thomas Jarzombek betonte, dass Europa sich nicht darauf beschränken dürfe, künstliche Intelligenz zu regulieren, sondern auch deren Entwicklung aktiv vorantreiben müsse. In diesem Zusammenhang sprach er sich für agilere und vereinfachte regulatorische Rahmenbedingungen aus, die Innovationen fördern, sowie für den Ausbau eigener technologischer Kompetenzen als Voraussetzung, um die Risiken der KI zu steuern und einen fairen globalen Wettbewerb zu gewährleisten. Darüber hinaus hob er das Potenzial der KI zur Transformation der öffentlichen Verwaltung hervor und verwies auf konkrete Anwendungsfälle, in denen bürokratische Prozesse von sechs Monaten auf nur drei Stunden verkürzt werden konnten. Abschließend rief er zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit Spanien auf, von dessen Dynamik in der Digitalisierung Deutschland lernen könne, um ein souveränes und wettbewerbsfähiges digitales Ökosystem aufzubauen.
Die erste Podiumsdiskussion der Veranstaltung mit dem Titel „Digital Government in Action“ wurde von Katharina Miller, Founding Partner von Miller International Knowledge, moderiert und widmete sich der Frage, wie der Übergang von politischen Leitbildern zur konkreten Umsetzung in der digitalen Verwaltung gelingen kann. An der Diskussion nahmen Thomas Jarzombek, Víctor Rodrigo, Direktor für Innovation, KI und Unternehmen bei Red.es, Osmar Polo, CEO von T-Systems Iberia, sowie Fernando Ranz, Country Manager Spain bei Celonis, teil. Sie waren sich einig, dass das größte Hindernis für Effizienz nicht in fehlender Technologie liegt, sondern in kulturellen Barrieren und einer teils zu restriktiven Auslegung des Datenschutzes, die Innovationen im öffentlichen Sektor hemmt.
Víctor Rodrigo betonte, dass die eigentliche Herausforderung darin bestehe, die Verwaltungskultur zu verändern, um Prozesse im Sinne eines „papierlosen“ Ansatzes neu zu gestalten und sicherzustellen, dass Technologie das Leben der Bürgerinnen und Bürger tatsächlich vereinfacht.
Fernando Ranz betonte, dass der Erfolg künstlicher Intelligenz maßgeblich davon abhängt, Daten mithilfe von Process Intelligence zu kontextualisieren, um zu vermeiden, dass Implementierungen aufgrund fehlender operativer Relevanz scheitern.
Im Hinblick auf die digitale Souveränität sprachen sich Osmar Polo und die übrigen Diskussionsteilnehmer für ein hybrides Modell aus, das nicht auf eine Abschottung gegenüber internationalen Technologiekonzernen abzielt, sondern die europäische Autonomie durch den Aufbau eigener Infrastrukturen und vertrauenswürdiger Komponenten stärkt. Das Panel kam zu dem Schluss, dass die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien entscheidend ist, um digitale Lösungen mit klarem gesellschaftlichem Mehrwert zu skalieren und Europa im globalen Wettbewerb zu stärken.
Die zweite Podiumsdiskussion der Veranstaltung mit dem Titel „AI-Driven Industry: From Automation to Competitive Advantage“, moderiert von Almudena de la Mata, Managing Partner von Blockchain Intelligence, befasste sich mit der Frage, wie sich künstliche Intelligenz von einem Effizienzwerkzeug zu einer strategischen Schlüsselkompetenz für die europäische Industrie entwickelt hat.
Im Verlauf der Diskussion erklärte Ricardo Ramos, CEO Spain & Southwest Europe Region von Siemens Mobility España, dass künstliche Intelligenz bereits ein echter Wettbewerbsfaktor ist, der es Ingenieuren ermöglicht, komplexe Anforderungen zu bewältigen und Fehler in Echtzeit zu korrigieren, wodurch die Schnittstelle zum Kunden verbessert und die Produktivität der Mitarbeitenden gesteigert wird.
Luis Fernando Álvarez-Gascón, Generaldirektor von Secure eSolutions bei GMV, warnte seinerseits, dass die größte Herausforderung nicht technologischer, sondern governance- und validierungsbezogener Natur sei. Er wies darauf hin, dass die regulatorische Fragmentierung in Europa für Unternehmen zum „Albtraum“ werden könne, betonte jedoch zugleich die Bedeutung, menschliche Werte und Grundrechte bei der technologischen Entwicklung zu wahren.
In dieser zweiten Diskussionsrunde erläuterte Manuel Lavín, CEO von GFT España, die starke Abhängigkeit Europas von externen Technologien in den Bereichen Infrastruktur und Hardware und plädierte dafür, digitale Souveränität insbesondere in Dienstleistungsebenen und strategischen Sektoren wie Verteidigung oder Luft- und Raumfahrt anzustreben. Yon Munilla, Business Development Director von IndraMind, bekräftigte diese Einschätzung und wies darauf hin, dass die entscheidende Lücke im Übergang vom Labor in die Produktion liege. Er sprach sich für eine Industrialisierung von KI-Prozessen aus, um sichere und gut gesteuerte Umgebungen zu gewährleisten.
Die Veranstaltung schloss mit einer Reflexion über die Zukunft der Arbeit, bei der sich die Teilnehmenden und die Moderatorin einig waren, dass die Geschwindigkeit des Wandels zwar Unsicherheit mit sich bringt, künstliche Intelligenz jedoch das Potenzial hat, monotone Aufgaben zu übernehmen und Arbeitsplätze interessanter und kreativer zu gestalten – vorausgesetzt, es werden kulturelle Veränderungen vorangetrieben und kontinuierliche Weiterbildungsmaßnahmen umgesetzt.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Beitrag der KI-Expertin Nuria Oliver, Vizepräsidentin von ELLIS. In ihrem Vortrag stellte sie eine strategische Vision vor, in der menschliches Talent der entscheidende Motor für die Erreichung digitaler Souveränität in Europa ist – noch vor technischer Infrastruktur oder „Treibern“ wie Rechenleistung und Energie. Oliver wies darauf hin, dass Europa derzeit weder bei Forschung noch bei Patenten oder der Bewertung von Technologieunternehmen im Vergleich zu China und den USA führend ist, seine Wettbewerbsstärke jedoch in seinen starken Bildungssystemen und der Fähigkeit liegt, hochqualifizierte Talente in ein Umfeld mit hoher Lebensqualität zu ziehen.
Sie plädierte dafür, die „menschliche Grenze“ zu überwinden, indem neue KI-Paradigmen entwickelt werden, die energieeffizient sind und mit weniger Daten auskommen, inspiriert von der menschlichen Biologie, um bestehende Grenzen bei Rechenleistung und Nachhaltigkeit zu überwinden. Um dies zu erreichen, rief sie dazu auf, zentrale Hürden wie das Lohngefälle und die übermäßige bürokratische Belastung abzubauen, die rund 25 % der Arbeitszeit von Forschenden in Anspruch nimmt. Zudem hob sie Initiativen wie ELLIS hervor, die darauf abzielen, Talente zu halten und sicherzustellen, dass technologische Entwicklung stets im Einklang mit gesellschaftlichem Wohlstand, ethischen Prinzipien und menschlicher Autonomie steht.
In seinem Schlusswort betonte der Präsident der Deutschen Handelskammer für Spanien, Osmar Polo, die strategische Bedeutung der deutsch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen in einem Umfeld, in dem Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Regeln der Wettbewerbsfähigkeit neu definieren, und hob die Rolle der Deutschen Handelskammer für Spanien als Plattform des Austauschs zwischen Unternehmen und Institutionen hervor.