Bei der offiziellen Begrüßung betonte Mischa Groh, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer, dass die duale Berufsausbildung nicht nur ein Bildungsmodell sei, sondern Unternehmen auch dabei helfe, Fachkräfte zu finden und gezielt auszubilden. Laut einer Mitgliederbefragung der Kammer entscheidet sich mehr als die Hälfte der Unternehmen, die das duale Ausbildungsmodell mit AHK-Zertifizierung nutzen, dafür, weil sie auf diesem Weg Zugang zu Fachkräften erhalten, die sie auf anderen Wegen nicht finden können.
Diese Einschätzung teilte auch Sebastian Petzold, Referent für Arbeit, Berufsbildung, Soziales und Gesundheit an der Deutschen Botschaft in Spanien. Er betonte, dass die duale Berufsausbildung dazu beitrage, die Anforderungen der Unternehmen besser mit den Bildungsangeboten in Einklang zu bringen, und zugleich eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Zukunft spiele. Beide waren sich einig, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Institutionen gestärkt werden müsse, um die duale Berufsausbildung in Spanien weiter auszubauen.
Mehr Unternehmen einbinden und eine hohe Ausbildungsqualität sicherstellen
Lydia Berrocoso Rufo, stellvertretende Generaldirektorin für die Förderung der dualen Berufsausbildung und die Zusammenarbeit mit Unternehmen im spanischen Ministerium für Bildung, Berufsbildung und Sport, hob den strukturellen Wandel der spanischen Berufsbildung in den vergangenen Jahren hervor. Dabei habe man sich am deutschen Modell orientiert und dieses zugleich an die Gegebenheiten des spanischen Bildungssystems angepasst.
Als zentrale Herausforderungen nannte sie die Notwendigkeit, kleinen und mittleren Unternehmen die Teilnahme zu erleichtern, organisatorische und bürokratische Hürden abzubauen und die Qualität der praktischen Ausbildung durch klar definierte Ausbildungspläne, eine kontinuierliche Betreuung und entsprechend qualifizierte Ausbilder sicherzustellen. Weiterhin betonte sie, dass sich der Erfolg der dualen Berufsausbildung auch an der Qualität des Lernprozesses der jungen Menschen und dem Mehrwert messen lassen müsse, den Unternehmen aus ihrer Beteiligung ziehen.
Juan Diego Pérez Mata, Vorsitzender des Berufsbildungsrats der Deutschen Handelskammer und Vertreter von Siemens, sprach sich für einen Perspektivwechsel aus: Angesichts der Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften sollten sich Unternehmen nicht länger darauf beschränken, bereits ausgebildete Fachkräfte zu suchen, sondern eine aktive Rolle bei deren Qualifizierung übernehmen. Er erinnerte auch daran, dass Lernen in beide Richtungen stattfinde, da junge Menschen neue Ideen und Perspektiven in die Unternehmen einbringen.
Das FEDA-Modell: Fachkräfte entsprechend den Anforderungen der Unternehmen ausbilden
Die erste Podiumsdiskussion, moderiert von Mischa Groh, befasste sich mit den Erfahrungen des von FEDA in Spanien umgesetzten deutschen dualen Ausbildungsmodells sowie mit der Bedeutung der AHK-Zertifizierung als anerkanntem Qualitätssiegel.
Kirsten Sánchez, Präsidentin von fedaEDU Barcelona und Finanzdirektorin von Henkel Ibérica, betonte, wie wichtig es sei, die Ausbildungspläne an den Anforderungen der Unternehmen auszurichten, eine gute Abstimmung zwischen Auszubildenden und Unternehmen sicherzustellen und auf die Unterstützung der Deutschen Handelskammer zurückzugreifen, um die Qualitätsstandards zu gewährleisten.
Bernd Hullerum, Präsident von FEDA Madrid und CEO von STIHL in Spanien, hob die Möglichkeit hervor, Fachkräfte auszubilden, die nach zwei Ausbildungsjahren sowohl die Arbeitsabläufe als auch die Unternehmenskultur und die Werte des Unternehmens kennen. Zudem sprach er sich für steuerliche Anreize und Fördermittel für Unternehmen aus, die auf die duale Berufsausbildung setzen, insbesondere um kleinen und mittleren Unternehmen die Teilnahme zu erleichtern.
Birgit Zondler, Mitglied des Vorstands von fedaEDU Barcelona, Geschäftsführerin von
GEZE Iberia und Vizepräsidentin der Deutschen Handelskammer, betonte ebenfalls die Unterstützung, die FEDA und die Deutsche Handelskammer bieten, um kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg in die duale Berufsausbildung zu erleichtern. Zudem hob sie hervor, wie wichtig es sei, die Erwartungen von Unternehmen und Auszubildenden aufeinander abzustimmen. Im Verlauf der Diskussion wurde auch die Notwendigkeit angesprochen, die Anerkennung und Gleichwertigkeit von Ausbildungsabschlüssen zu verbessern, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für junge Menschen und ihre Familien zu erhöhen und die berufliche Mobilität innerhalb Europas zu fördern.
Die Perspektive der Auszubildenden brachte Martin Specht, FEDA-Madrid-Schüler bei IberAssekuranz, ein. Er fasste seine Erfahrungen mit dem Ausdruck „Learning by Doing“ zusammen. Besonders hob er hervor, dass er bereits zu Beginn seiner Ausbildung Verantwortung übernehmen und theoretische Kenntnisse in realen Arbeitssituationen anwenden konnte. Dies habe ihm ermöglicht, seine beruflichen Kompetenzen schneller zu entwickeln.
Das 2+1-Modell: Spezialisierung und Ausrichtung auf die Anforderungen der Unternehmen
Die zweite Podiumsdiskussion, moderiert von Tanja Nause, Leiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung der Deutschen Handelskammer, konzentrierte sich auf die von der Kammer initiierten 2+1-Projekte. Diese ergänzen die zweijährige reguläre spanische Berufsausbildung um ein drittes Spezialisierungsjahr in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bildungseinrichtungen.
Eva Sánchez Galán, verantwortlich für Talent Acquisition bei Siemens Mobility, betonte, dass dieses Modell dazu beitrage, den Mangel an spezialisierten technischen Fachkräften zu decken und gleichzeitig die persönliche und berufliche Reife der Auszubildenden zu fördern.
Jorge Díaz Antequera, Leiter der Ausbildung bei Martinrea, erläuterte seinerseits, dass die Auszubildenden direkte Einblicke in die industriellen Prozesse sowie die Qualitäts- und Sicherheitsstandards des Unternehmens erhalten. Nach Abschluss ihrer Ausbildung werde ein hoher Anteil der Teilnehmenden in ein Arbeitsverhältnis übernommen. Beide waren sich einig, dass das Programm bei jungen Menschen stärker bekannt gemacht werden müsse.
Aus Sicht der Bildungseinrichtungen hob José Luis Esquivias, Koordinator für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen bei Salesianos Atocha, die Flexibilität des 2+1-Modells hervor. Dieses ermögliche es, die in den ersten beiden Ausbildungsjahren erworbenen Kenntnisse zu vertiefen und die Ausbildungsinhalte an die Anforderungen der Unternehmen anzupassen. Er erläuterte, dass durch diese Zusammenarbeit eine Ausbildung entstehe, die sowohl digitale Kompetenzen als auch überfachliche Fähigkeiten vermittelt und damit auf die von den Unternehmen formulierten Anforderungen eingeht.
Die Sicht der Auszubildenden vertrat Jorge Abenojar, Teilnehmer des 2+1-Programms, der bei Lidl ausgebildet wurde und heute bei Siemens arbeitet. Er betonte, dass das Programm die Entwicklung eines vielseitigen und zugleich spezialisierten Berufsprofils ermögliche und den Zugang zu führenden Unternehmen erleichtere. Zudem hob er hervor, wie wertvoll es sei, sich von Beginn an mit realen Herausforderungen auseinanderzusetzen und die Anforderungen eines Unternehmensumfelds kennenzulernen, in dem die eigene Arbeit einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten müsse.
Ausbildung als Investition und unternehmerische Verantwortung
Den Abschluss der Veranstaltung gestaltete Stéphane de Creisquer, CEO von MAN Truck & Bus Iberia und Mitglied des Vorstands der Deutschen Handelskammer. Er betonte, dass Unternehmen nicht nur dafür verantwortlich seien, qualifizierte Fachkräfte zu finden, sondern auch aktiv zu deren Ausbildung sowie persönlicher und beruflicher Entwicklung beizutragen. In diesem Zusammenhang sprach er sich dafür aus, Ausbildung als Investition und nicht als Kostenfaktor zu betrachten, da der Mangel an qualifizierten Fachkräften zu einem Hindernis für das Unternehmenswachstum werden könne.
De Creisquer unterstrich, dass es für die Umsetzung der dualen Berufsausbildung keine einheitliche Lösung gebe, sondern unterschiedliche Modelle, die auf die jeweiligen Anforderungen der Unternehmen zugeschnitten werden könnten. Besonders hob er die 2+1-Programme hervor, da sie die Vermittlung von Kompetenzen ermöglichen, die unmittelbar mit der Unternehmenstätigkeit verbunden sind, und den erfolgreichen Einstieg der Auszubildenden in die Arbeitswelt erleichtern.
Abschließend betonte er die Bedeutung, Unternehmen zu echten Lernorten zu machen, an denen junge Menschen und Unternehmen gleichermaßen von den gesammelten Erfahrungen profitieren können. Zugleich rief er dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen In stitutionen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen weiter zu stärken, um die duale Berufsausbildung auch künftig voranzubringen.