Kreislaufwirtschaft: Der Anfang vom Ende für die lineare Wirtschaft?

Die Tage einer Wirtschaft des Produzierens, Benutzens und Wegwerfens scheinen gezählt. Die Auswirkungen der globalen Erwärmung, die Knappheit an bestimmten unverzichtbaren Rohstoffen und das exponentielle Wachstum von Abfall stellen das Überleben des aktuellen linearen Systems in Frage. Am Horizont lassen sich die ersten Schritte hin zu einem kreislauf Modell erkennen, dessen Ziel es ist, die Lebensdauer der natürlichen Ressourcen zu verlängern und mithilfe der Möglichkeiten, die sich durch digitale Technologien eröffnen, Synergien zwischen Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft zu schaffen.

Nach einer langen Phase der Entwicklung und des Wachstums in aller Welt beginnt das Zeitalter der sogenannten linearen Wirtschaft Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Der Anstieg des Konsums, den das weltweite Wachstum einer vor allem in den Städten konzentrierten Bevölkerung mit sich gebracht hat, die Erschöpfung der Reserven an bestimmten unverzichtbaren Rohstoffen, die unkontrollierte Erzeugung von Abfallstoffen und deren Auswirkungen auf den Klimawandel: Das alles sind Alarmsignale, die deutlich machen, dass die Tragfähigkeit des aktuellen Modells – produzieren, benutzen und wegwerfen – überdacht werden muss.

Diesem linearen Produktionssystem steht ein tiefgreifender Paradigmenwechsel gegenüber: der Entwurf einer Kreislauftwirtschaft, die auf Reduktion, Wiederverwendung und Recycling setzt. Einer der wichtigsten Förderorganismen für dieses neue Produktions- und Verbrauchsmodell, die Stiftung Ellen MacArthur, definiert die zirkuläre Wirtschaft als bewusst restauratives und regenerierendes System, „das darauf abzielt, dass Produkte, Komponenten und Rohstoffe jederzeit ihre maximale Nutzbarkeit und ihren maximalen Wert behalten, wobei zwischen technischen und biologischen Zyklen unterschieden wird“.

“Das aktuelle Wirtschaftssystem kann nicht länger aufrechterhalten werden, da es nicht genügend Rohstoffe gibt und es einen nicht vertretbaren ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Der Klimawandel ist nur ein Symptom der Krankheit, unter der wir leiden“, erklärt Ángel Fernández, Präsident der Stiftung für Zirkuläre Wirtschaft. In diesem Zusammenhang, so Fernández, „haben die internationalen Organismen gemerkt, dass wir in einer verschwenderischen Gesellschaft leben, die so tut, als seien die Rohstoffe unendlich und die Natur in der Lage, alle Belastungen einfach so aufzufangen.“

Aus diesem Grund setzten die Vereinten Nationen 2015 die Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 in Gang. Diese umfasst 17 universell umzusetzende Ziele, denen die Bemühungen der einzelnen Länder unterliegen, damit bis 2030 eine nachhaltige Welt geschaffen werden kann. Im Sinne dieser Ziele, besonders der Nummer 12 (nachhaltige/r Konsum und Produktion), stellte die Europäische Kommission kaum zwei Monate später ein Maßnahmenpaket und einen Aktionsplan für eine zirkuläre Wirtschaft in Europa vor, auf den sich die Regulierungen in den verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU stützen. Dieser Plan sieht insgesamt 54 Maßnahmen vor, deren Umsetzung die Gemeinschaftsexekutive für notwendig hält und die sowohl auf die verschiedenen Phasen im Lebenszyklus von Produkten (Design und Produktion, Konsum, Verwaltung von Abfall und Nutzung von wiederverwendbaren Abfallstoffen durch ihre Wiedereinführung in die Wirtschaft) als auch auf fünf Bereiche, die als prioritär betrachtet werden (Plastikstoffe, Lebensmittelverschwendung, unverzichtbare Rohstoffe, Bau und Abriss, Biomasse und Produkte auf biologischer Basis), Auswirkungen haben.

Nie mehr benutzen und wegwerfen
Die zirkuläre Wirtschaft fand ihren Ursprung in verschiedenen Denkschulen. Eine davon ist die Philosophie des 2002 von Michael Braungart und William McDonough erdachten, von der Natur inspirierten Cradle-to-Cradle-Prinzips („von Wiege zu Wiege“), dessen Ziel es ist, den Lebenszyklus jedes Produkts zu schließen, indem das Lebensende zugleich den Beginn der nächsten Produktion markiert.

Eines der ersten Unternehmen, die sich diesem Mentalitätswechsel verschrieben, war die deutsche Textilfirma PUMA, die 2013 mit InCycle die erste Kollektion mit Schuhen, Kleidung und Accessoires auf Grundlage des Cradle-to-Cradle-Prinzips auf den Markt brachte. Die Kollektion bestand aus komplett recycelbaren oder biologisch abbaubaren Artikeln, beispielsweise einer Jacke, die aus Polyester, das aus gebrauchten PET-Flaschen gewonnen worden war, gefertigt wurde und selbst auch wieder zu Polyestergranulat umgewandelt werden konnte.

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